Weitere Schwindelformen

Akuter einseitiger Labyrinthausfall

Typisch für den akuten einseitigen Labyrinthausfall (Neuritis vestibularis) ist ein plötzlich auftretender Drehschwindel, der längere Zeit – oft über mehrere Stunden, manchmal sogar Tage – anhält. Als Begleiterscheinungen treten meist Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche und heftige Augenbewegungen zu einer Seite auf. Häufig wird auch eine Fallneigung zur erkrankten Seite hin beobachtet. Ohrgeräusche oder Hörverlust sind im Gegensatz zur Menièreschen Erkrankung nicht vorhanden. Als Ursache für den akuten einseitigen Labyrinthausfall vermutet man eine durch Viren verursachte Entzündung des Gleichgewichtsnerven.

Behandlung: Ihr Arzt behandelt den akuten einseitigen Labyrinthausfall zunächst mit entzündungshemmenden Medikamenten sowie einem verschreibungspflichtigen Arzneimittel, das das irritierte Gleichgewichtssystem wieder beruhigt. Zusätzlich hilft ein gezieltes Gleichgewichtstraining. Bei richtiger Behandlung verschwinden die Beschwerden nach 2 bis 6 Wochen meist wieder vollständig.


Gutartiger Lagerungsschwindel

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) - vereinfacht auch gutartiger Lagerungsschwindel genannt - ist eine relativ häufige Form des Schwindels. Er tritt ausschließlich bei gleichartigen Lageänderungen des Kopfes auf, z. B. beim Drehen des Kopfes bei dem Blick auf den Wecker auf dem Nachtisch oder dem Heben des Kopfes bei einem Blick nach oben zu einem Regalfach. Er äußert sich als heftiger Drehschwindel mit Übelkeit und manchmal auch Erbrechen. Die Dauer ist jedoch nicht länger als 30 Sekunden. Durch die kurze Dauer und die auslösende Lageänderung ist er relativ leicht zu diagnostizieren. Hervorgerufen wird er durch kleine Steinchen (Otolithen) im Gleichgewichtorgan des Innenohrs, die normalerweise mit dem Gewebe fest verbunden sind, sich aber in diesem Fall losgelöst haben und in einen der drei Bogengänge gelangen und dort die Sinneszellen irritieren.

Behandlung: Geschulte Ärzte können durch spezifische Lageänderungen des Kopfes der Betroffenen, durch so genannte Befreiungsmanöver, die verirrten Steinchen aus den Bogengängen wieder zurück an den Ursprungsort bewegen. Damit ist die Ursache des Schwindels behoben. Ergänzend helfen Medikamente, das gereizte Gleichgewichtsorgan wieder zu beruhigen.


Menièresche Erkrankung (Morbus Menière)

Die Menièresche Erkrankung äußert sich durch heftige Drehschwindelattacken, die in unregelmäßigen Abständen wiederholt alle paar Wochen oder Monate auftreten können. Die Anfälle dauern meist mehrere Stunden und sind neben dem Drehschwindel klassischerweise auch immer mit Tinnitus und einer Tiefton-Hörminderung verbunden. Betroffene berichten häufig, dass vor dem Anfall ein Ohr dumpfer klingt oder nachhallt. Der Morbus Menière eine äußerst seltene Erkrankung des Innenohrs, die meist Menschen im mittleren Alter trifft. Als Ursache vermutet man eine krankhafte Zunahme einer der Flüssigkeiten (Endolymphe) im Innenohr, die zu einer Überdehnung und Undichtigkeit der sie abgrenzenden Membran führt. Die Endolymphe kann sich dadurch mit einer weiteren Flüssigkeit, der so genannten Perilymphe, vermischen. Das führt zu einer Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans.

Behandlung: Zur Vorbeugung von Schwindelanfällen müssen die Betroffenen bei der Menièreschen Erkrankung langfristig verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen. Sie sind gut verträglich, führen jedoch nicht zu einer ursächlichen Heilung der Erkrankung.


Migräne-Schwindel (Vestibuläre Migräne)

Bei der vestibulären Migräne handelt es sich um wiederholte, meist mehrere Minuten bis Stunden anhaltende Drehschwindelattacken im Rahmen eines Migräneanfalls. Dessen typische Symptome wiederum sind halbseitige Kopfschmerzen, Übelkeit sowie erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit. Der Schwindel kann dem Migräne-Kopfschmerz vorausgehen, gleichzeitig auftreten oder auch völlig unabhängig von diesem bestehen. So gibt es sogar Patienten, die unter Migräne-Schwindel leiden, ohne überhaupt Kopfschmerzen zu haben. In diesem Fall wird es selbst für Spezialisten schwer, eine genaue Diagnose zu stellen, da die Symptomatik sehr stark einer Menièreschen Erkrankung ähnelt.

Behandlung: Da der Migräne-Schwindel bei den Betroffenen auf die Grunderkrankung einer Migräne zurückgeht, werden hier die gleichen Medikamente eingesetzt, wie bei allen anderen Formen der Migräne.


Phobischer Schwankschwindel

Beim phobischen Schwankschwindel handelt es sich um eine psychische und nicht um eine körperliche Erkrankung. Benommenheit, ein schwankendes Gefühl und die Befürchtung zu stürzen sind Kennzeichen dieses häufig auftretenden Schwindels, der von Angstgefühlen (Phobien) ausgelöst wird. Die Anfälle treten meist in typischen angstbesetzten Situationen auf: in engen Fahrstühlen, vor öffentlichen Auftritten, in ungewohnten Höhen...

Behandlung: Gegen den phobischen Schwankschwindel hilft Ihnen, die Angst zu erkennen und sie durch Entspannungsübungen gezielt abzubauen. In schweren Fällen wird Ihr Arzt Ihnen angstlösende Medikamente verordnen.


Schwindel als Folge anderer Erkrankungen

Bei einem nicht oder schlecht eingestellten Bluthochdruck kann es ebenso zu Schwindel kommen, wie bei einem deutlich zu niedrigen Blutdruck. Auch bei einem Schlaganfall, der üblicherweise mit anderen neurologischen Ausfällen einhergeht, ist Schwindel häufig ein zusätzliches Symptom. Bei einem anhaltenden oder plötzlich auftretenden Schwindel müssen Sie daher unbedingt einen Arzt konsultieren.